Filmen mit DSLR – Basisausrüstung

Wir wurden nach der richtigen Basisausrüstung für’s Filmemachen mit Spiegelreflexkameras (DSLR) gefragt. Was gehört in die Grundausstattung für Einsteiger? Was kann man auf später verschieben? Hier unsere (unwesentliche) Meinung zum Thema.

Muss es Spiegelreflex sein?

Erste Frage: Muss es überhaupt eine DSLR sein? Es gibt ernst zu nehmende Alternativen:

  1. Handy: Mit einer guten Idee und einer guten Crew kann man auch mit Handys erfolgreiche Filme machen. Viele Youtube-Künstler machen das vor. Am ehesten werdet Ihr Euch vielleicht besseren Ton wünschen. Dafür braucht Ihr dann ein Tongerät, keine DSLR.
  2. Guter Camcorder: Etwas billiger als eine DSLR mit Objektiven. Liegt gut in der Hand, hat meistens einen großen Zoom-Bereich und ist viel einfacher zu handhaben als eine DSLR. Zum Einstieg definitiv empfehlenswert. Wenn Ihr später doch auf DSLR umsteigen möchtet, könnt Ihr den Camcorder weiter verwenden als Making-Of-Kamera. Beispiele für etwas bessere Camcorder: Sony HXR-MC2500E, Sony NEX VG30 oder Legria HF G30.
  3. Systemkameras: Ähnliche Preislage wie DSLR (z.B. Sony Alpha), punkten in Testberichten aber mit guten Videoeigenschaften. Wir haben leider keine Erfahrung damit.
  4. Blackmagic Pocket: Eine Klasse für sich im Video-Bereich. Etwas teurer als Einsteiger-DSLR.

Das muss sein

DSLR Basisausstattung

Wenn Ihr Euch doch zum Kauf einer DSLR entschließt, braucht Ihr die folgende Mindestausrüstung. Zur Orientierung geben wir grobe Preise an – Stand 12.2014

  1. Die Kamera: 550€. Eine DSLR besteht immer aus einem Body und einem oder mehreren Objektiven. Die meisten Bodys kann man mit günstigen, aber brauchbaren Objektiven in oft sehr preisgünstigen Paketen kaufen (sogenannte Kits). Bessere Objektive könnt Ihr später nachkaufen, mit dem Body werdet Ihr längere Zeit leben müssen. Achtet daher auf die Video-Funktionen des Bodys! Wir verwenden (und mögen) die Canon EOS 600D und 100D. Beim Filmen ist das Klappdisplay der 600D sehr praktisch. Zu beiden eignet sich das EF-S 18-55mm. Ein Akku, ein Ladegerät und ein Schultergurt sollten in jedem Fall dabei sein.
  2. Eine Kamera-Tasche: 30€. Diese ist wichtig zum Schutz der Kamera. Nicht auf später aufschieben!
  3. Objektiv-Reinigungsmittel: 15€. Die Linse wird früher oder später schmutzig. Wenn Ihr dann den Küchenlappen verwenden müsst, kann das Euer Objektiv ruinieren. Daher solltet Ihr Euch sofort mindestens einen Fotopinsel und ein Mikrofasertuch mitbestellen.
  4. Speicherkarte: 20€. Die beiden genannten Kameras erzeugen ca. 6MB/s. Mit einer 32GB Speicherkarte könnt Ihr ca. 1.5 Stunden aufnehmen. Bei längeren Außenaufnahmen braucht Ihr weitere Karten. Die Karte sollte mindestens „class 10“ sein. Niedrigere Klassen könnten zu langsam für die Kamera sein und die Aufnahme würde abbrechen.

Das werdet Ihr auch bald haben wollen

DSLR erweiterte Ausstattung

Wenn Ihr Euch die Grundausrüstung zugelegt habt, werden sehr schnell die folgenden Punkte auf Eurer Wunschliste landen.

  1. Tongerät: 150€- 300€. Die meisten Filme leiden nicht an schlechtem Bild, sondern an schlechtem Ton. Mit einem Zoom H2N könnt Ihr Eure Tonaufnahmen deutlich verbessern. Das teurere H4N bietet XLR Anschlüsse, so dass Ihr später mit einem weiteren Mikro angeln könnt. Alternativen zu den Zoom Geräten gibt es z.B. von Tascam oder Roland. Dazu ist ein kleines Stativ praktisch.
  2. Stativ+Fluidkopf: 50€ – 250€. Das Wichtigste: Die Tragfähigkeit muss für Eure Kamera inklusive Objektiven ausreichen. Ein Stativ für 20€ dürfte für eine DSLR nicht geeignet sein. Für einen sicheren Stand ist eine Mittelspinne empfehlenswert. Weitere Kriterien: Maximale Höhe (über zu kleine Stative werdet Ihr Euch bald ärgern), Eigengewicht, Wasserwage sowie die Qualität des Neigers. Wenn Ihr saubere Schwenks machen möchtet, braucht Ihr einen guten ölgedämpften Neiger. Probiert es aus, bevor Ihr kauft! Typische Anbieter sind z.B. Bilora, Manfrotto oder Velbon
  3. Ersatz-Akkus: Sehr große Preisspannen. Zwei sollten für einen Drehtag mindestens zur Verfügung stehen. Ist kein Stromanschluss in der Nähe dürfen es auch noch mehr sein.
  4. Backup: 100€. Jede Festplatte geht mal kaputt. Wenn Ihr Filme macht, möchtet Ihr Eure Daten auch nach dem nächsten Festplatten-Crash noch haben. Das Einfachste wäre eine USB-Festplatte und ein kostenloses Backup-Programm (wir verwenden Cobian). Und dann müsst Ihr natürlich regelmäßig das Backup durchführen!
  5. Schnitt-Software: 50€. Es gibt freie Schnittsoftware (siehe Chip-Artikel), aber wir haben gute Erfahrungen mit Einsteiger-Software von Pinnacle und Sony gemacht. Von beiden können zeitlich begrenzte Testversionen heruntergeladen werden. Alternativen wären Adobe Premiere Elements, Corel Video Studio oder Magix.

Das kommt später

DSLR Wunschliste
  1. Objektive mit großer Blende: Die DSLR-Technik kommt erst richtig in Fahrt, wenn Ihr mit Tiefenschärfe spielen könnt. Dazu braucht Ihr Objektive mit großer Blende (mindestens 2.8). Unsere Lieblingsobjektive sind das Canon EF 85mm f/1.8 und das Tamron SP 24-70mm f/2.8. Unschlagbar günstig ist das Canon EF 50mm f/1.8.
  2. Superweitwinkelobjektive: Um enge Räume ins Bild zu setzen, für beeindruckende Außenaufnahmen oder gruselig verzerrte Bilder sind Super-Weitwinkel-Objektive ideal. Wir sind wunschlos glücklich mit dem Tokina AF 11-16mm/2.8.
  3. Steadycam, Kamerakran, Rig: je 1000€. Keine Schnäppchen, aber die Gestaltungsmöglichkeiten bei bewegten Bildern werden deutlich größer. Einfache Slider oder Minidollies sind ab 200€ zu bekommen.
  4. Filter: Polarisationsfilter, ND-Filter oder Grauverlaufsfilter, falls erforderlich
  5. Angel, Mic, Blimp: Mikrofon und Angel für noch besseren Ton. Um Störgeräusche zu vermeiden, sollte das Mikrofon in einer elastischen Halterung gelagert sein. Wir verwenden Rode NTG-2 mit Boompole und SM3-Shotgun-Halterung. Haltet auch hier die Augen auf nach preisgünstigen Sets! Ein zusätzlicher Blimp reduziert die Windgeräusche bei Außenaufnahmen.
  6. Lichter: Ein schwieriges Thema. Wir haben über unsere Erfahrungen mit preisgünstigem Filmlicht bereits geschrieben. Für Außenaufnahmen kann auch ein Satz faltbare Reflektoren/Diffusoren sehr hilfreich sein (ca. 20 bis 30€)
  7. Filmklappe: Die Klappe hilft Euch, Euer Material wiederzufinden und verschiedene Aufnahmen miteinander zu synchronisieren. Und außerdem ist es einfach ziemlich cool, eine Klappe zu verwenden.

Hier unser Originalpost auf Stackexchange: What are some good accessories for a DSLR video recording
Und eine ähnliche Frage auf GuteFrage.net: Grundausstattung für’s Filmen mit DSLR

Anmerkungen

Die Inhalte dieser Seite sind unsere persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit. Insbesondere zu Fragen der Sicherheit bitte immer einen Fachmann zu Rate ziehen. Für Schäden, die aus der Lektüre dieser Seite entstehen können wir keine Haftung übernehmen.

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